Ratgeber · Vorlesen

Vorlesen in Kita und Grundschule: Tipps für Vorlesepaten

Gut vorlesen ist kein Talent, sondern Handwerk. Diese Tipps stammen aus dem, was in Vorlesestunden mit Kindergruppen funktioniert – für alle, die gerade anfangen, und für alle, die schon dabei sind.

Kurz gesagt

Lies das Buch vorher selbst, wähle es nach Alter und Gruppe und halte die Lesezeit kurz. Ein fester Ablauf gibt den Kindern Sicherheit, offene Fragen machen sie zu Mitdenkenden. Und wenn sie dasselbe Buch zum fünften Mal hören wollen, ist das genau richtig.

Vor der Stunde

Lies das Buch vorher selbst

Einmal laut, wenn es geht. Du merkst, wo eine Seite lang wird, wo du die Stimme wechseln willst und wo ein Bild Zeit braucht. Und du stolperst nicht über einen Satz, während zehn Kinder dich ansehen.

Wähle nach Alter und Gruppe

Für Drei- bis Vierjährige Bilderbücher mit klaren Bildern und Sätzen, die sich wiederholen. Für Fünf- und Sechsjährige längere Bildergeschichten und Sachbilderbücher. In der Grundschule kurze Geschichten, später ein Kinderbuch in Fortsetzungen. Frag die Erzieher:innen oder Lehrkräfte, was die Gruppe gerade beschäftigt.

Nutz die Bibliothek

Die Stadtbibliothek hat mehr Bilderbücher, als du je kaufen könntest, und die Bibliothekar:innen kennen die, die bei Kindern gerade gut ankommen. Viele Kitas haben außerdem eigene Bücher, die die Kinder schon lieben.

In der Stunde

Ein fester Ablauf gibt Sicherheit

Derselbe Tag, derselbe Ort, derselbe Anfang – ein Lied, ein Satz, das Hinsetzen im Kreis. Kinder wissen dann, was jetzt kommt, und kommen schneller zur Ruhe.

Setzt euch so, dass alle die Bilder sehen

Am besten im Halbkreis vor dir, das Buch so gehalten, dass die Bilder zu den Kindern zeigen. Bei Bilderbüchern erzählen die Bilder oft die Hälfte der Geschichte.

Lies langsamer, als du denkst

Pausen sind kein Fehler, sondern Spannung. Eine eigene Stimme für eine Figur hilft, muss aber nicht perfekt sein – Kinder hören lieber eine echte Stimme als eine Vorstellung.

Hör auf, solange es noch Spaß macht

Kleine Kinder können nur kurze Zeit am Stück zuhören. Lieber eine Geschichte weniger und alle bleiben dabei, als die letzte Seite vor einer Gruppe, die längst woanders ist.

Kinder einbeziehen

Frag nach, statt nur vorzulesen

„Was meint ihr, was passiert jetzt?“ – „Wie fühlt sich der Bär gerade?“ – „Was seht ihr auf dem Bild?“ Offene Fragen machen aus Zuhören Mitdenken. Dieses gemeinsame, dialogische Lesen ist besonders wertvoll für den Wortschatz.

Wiederholung ist kein Rückschritt

Wenn die Kinder dasselbe Buch zum fünften Mal wollen, ist das ein gutes Zeichen. Sie sprechen Sätze mit, erkennen Wörter wieder und trauen sich mehr.

Lass Kinder mithelfen

Umblättern, ein Geräusch machen, einen wiederkehrenden Satz mitsprechen. Wer eine Aufgabe hat, hört aufmerksamer zu.

Wenn es schwierig wird

Unruhe gehört dazu

Nimm sie nicht persönlich. Eine kurze Frage an die Gruppe, ein Kind, das neben dir sitzen darf, oder eine kleine Bewegungspause holen die meisten zurück. Klappt es an einem Tag gar nicht, ist das in Ordnung.

Kinder mit wenig Deutsch mitnehmen

Bilder, Gesten und Wiederholungen tragen viel. Zeig auf das, was du vorliest, lies einfache Sätze lieber zweimal und lass die Kinder Dinge auf dem Bild benennen – auch in ihrer eigenen Sprache.

Sprich Regeln mit der Einrichtung ab

Wie groß ist die Gruppe, wer ist mit im Raum, was gilt, wenn ein Kind gehen möchte? Das klärst du vorher mit den Erzieher:innen oder Lehrkräften. Du bist nicht für Erziehung zuständig, sondern für die Geschichte.

Selbst vorlesen?

Lesefunke vermittelt Ehrenamtliche in Kitas und Grundschulen in ihrer Nähe: eine Stunde pro Woche, eine feste Gruppe, ohne Vorerfahrung.